Ein Erlebnisbericht

"Es war ein großartiges Erlebnis, die Bilder von Alexander von Schlieffen im privaten Raum zu erleben. Die Wahrnehmung der Bilder war für mich eine ganz andere, als in den Galerieräumen und zwar so was von total unterschiedlich, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte. Null Zugang in der Galerie, dagegen eine unglaubliche Tiefe und Bereicherung im privaten Raum! Was ein Ortswechsel an der Wahrnehmung bewirken und ändern kann! Faszinierend!

In dessen Verdichtung entwickeln die Bilder von Alexander von Schlieffen geradezu etwas Mystisches und Meditatives. Sie erzählen unaufdringlich und wie selbstverständlich ihre eigene Geschichte und strahlen dabei eine magische Energie aus, die einen fesselt und die man nicht missen möchte! Der Dialog soll nicht enden. 

Das Konzept des Private Art Salon ist eine wunderbare Idee, Kunst im privaten Raum zu erfahren und wie es sich anfühlt, mit ihr zu leben. Ein Besuch ist jedem zu empfehlen, der die außergewöhnlichen Exponate von Alexander von Schlieffen noch nicht gesehen hat oder in den Galerieräumen genauso keinen Zugang gefunden hatte. Es ist ein Ereignis der besonderen Art! Fazit: Ein Leben ohne Kunst ist möglich, aber sinnlos..))"

 

(Dirk Vorwerk, 2016)

Graf und Genius

Die beiden Freundinnen ergänzen sich prächtig: Die eine, Angelika Watzl, hat als Geschäftsführerin der Berliner Galerie Morgen Contemporary die Kontakte, die andere, Maren Schubert, die passenden Räume in ihrem privaten Domizil in Hamburg. Gemeinsam lud das Duo jetzt zum Private Art Salon mit dem Untertitel "Meet The Artist" zur Ausstellung mit neuen Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers Alexander Graf von Schlieffen. Geboren 1964 in Düsseldorf studierte er in Wien, an der Frankfurter Städelschule und an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Dort absolvierte er bei A.R. Penck seinen Abschluss als Meisterschüler. Seine Bilder (3500 bis 15.000 Euro) sind in namhaften Galerien und in zahlreichen Privat- und Firmensammlungen vertreten. Die Gäste waren bei Wein und Fingerfood von der privaten Atmosphäre und den gleißenden Farben, die von Schlieffens Arbeiten glühen, fasziniert. "Auf den ersten Blick wirken meine Bilder aggressiv, doch wenn man sich länger darauf einlässt, sind sie sehr beruhigend", so der Künstler. Zahlreichen Magazin-Lesern ist der Graf aber auch als erfolgreicher Astrologe bekannt. Seine Prognosen verrät er unter anderem in der "Freundin" und "Gala". Er hält Vorträge und tritt in Talkshows auf. Zur Astrologie ist er durch das Buch "Genius und Dämon" von Thomas Ring gekommen. Der Autor schrieb über das Werk berühmter Künstler und ihre astrologischen Geburtskonstellationen. "Ohne dieses Buch wäre ich nie zur Astrologie gekommen", sagt Alexander von Schlieffen. Und da die Vernissage so erfolgreich war, hängen die Bilder nun länger als geplant bei Maren Schubert.

(Welt am Sonntag, 2016)

Zu den neuen Arbeiten von Alexander von Schlieffen

 

Der Künstler Alexander von Schlieffen lebte und wirkte in den aufregenden achtziger Jahren in Köln, inmitten der damals fruchtbarsten Kunstszene der Welt. Das Rheinland war in diesen Jahren geprägt von der internationalen Zusammenarbeit von Künstlern aller Sparten. Das Werk von Schlieffens ist von einem präzisen Handwerk und einem hohen Können getragen. 

 

Seine Liebe zur Malerei der italienischen Frührenaissance mit der Intensität ihrer lichtdurchdrungenen Farben prägt sein künstlerisches Empfinden von Anbeginn. Eine weitere tiefe Affinität fußt in der Beschäftigung mit der Astrologie. Über Jahrhunderte setzten sich Künstler wie da Vinci, Tintoretto, Dürer – um nur einige zu nennen – mit den Zusammenhängen des Firmaments und der Erde auseinander. Sie tauchten tief in diese mystische Kunst ein und verbargen in ihren Bildern Botschaften, die bis heute die forschende Kunstwelt in Atem halten.  

 

Von Schlieffen benutzt die erwähnten Fähigkeiten in scheinbar einfacherer Weise. Statt Symbole oder ikonografisch verschlüsselte Bildmomente zu schaffen, liegt sein Schwerpunkt in einem grandiosem Umgang mit Farbe. Malte er zu Beginn klassische Momente in klassischen Farbkompositionen, so fand er über die Jahre zu einem Farbkonzept, in welchem er in altmeisterlicher Maltechnik Farben verwendet, die mitunter an die Popart erinnern. So werden die neuen Arbeiten in einer wirklichkeitsentrückten Farbigkeit vorgetragen, bei denen durch den Kontrast von kühlem Kobaltblau und gleißendem Orange der Eindruck entsteht, dass die Motive glühen oder leuchten. Schlieffen schafft eine Bildwelt, welche von der Lichtmystik des frühen Mittelalters und der greifbaren Sinnlichkeit der italienischen Malereikultur genauso geprägt ist wie von den virtuellen und digitalen Bildwelten der Gegenwart. Es ist das Licht, welches die Diversität der scheinbar unvereinbaren Themen in eine Einheit überführt. 

 

Wir mögen Berge sehen, oder stille, verlassene Betten, die eine Nachtlandschaft hinterlassen, Träume und erotische Momente vermuten. Manches Bild ist noch warm und verbreitet einen leichten Duft, ein anderes ruht bereits abgekühlt und scheint Jahrhunderte lang seiner Nachtgeschichte überlassen geworden zu sein. Diese Berge oder Tücher des Tages oder der Nacht, die sich wie eine innere Landschaft über schwebenden Liegestätten spannen, sind poetisch. Wir, die Betrachter, dürfen unsere eigenen Momente in die Farben legen. Und während wir dies versuchen, durchdringen uns die Blicke seiner Porträts und der Figuren, die aus dem Jetzt oder der Vergangenheit auftauchen.

(Michéle Victor Adamski, 2015)

You can transform a space with painting and turn it into something magic

This classic aristocratic rocking Bohemian style studio in Berlin is the example of a perfect life & work union. As a single parent of a successful football player, Alexander wants to work where he lives. He loves to work in cosy, airy environments.

Only familiar with his mysterious, almost monochrome portrait paintings I was positively surprised by the variety in his work. A spectacular painting of two red cats caught our attention – they looked perfect – but Alexander said it was still unfinished.

As a master student of A. R. Penck he graduated from the Duesseldorf Art Academy and was awarded the Max Ernst Fellowship shortly thereafter. Not only does he do panel paintings but also site-specific wall paintings and window designs for churches and banks.

Why is his work so enigmatic? Because he is a famous astrologist too! Why is he (sometimes) so down to earth? He works as a football trainer from time to time. How can somebody fulfil all these tasks? Alexander von Schlieffen can… because he is a magician.

 

Gudrun Wurlitzer, 2014

(Gudrun Wurlitzer für artitious.com, 2014)

Portraits

Im Werk des Malers Alexander von Schlieffen gibt es eine Reihe von Bildnissen, deren Wirkung sich erst in der Begegnung zwischen Betrachter und Original vollends entfaltet. Durch eine über die Jahre verfeinerte Technik, bei der von Schlieffen das Bildnismotiv mit einem transparentartigen Stoff überspannt, offenbart dieses dem Betrachter stets neue Seiten. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall scheint sich das Motiv dem erkennenden Zugriff zu entziehen. Aus den wechselnden Konfigurationen von Farben und Formen im Wechselspiel mit dem Licht entsteht in diesen Bildern eine schillernde Beziehung zwischen Fläche und Raum. Wie bei einem Vexierbild ist es besonders dieses Kippmoment, welches von Schlieffen so sehr fasziniert. Der Mehrschichtigkeit auf formaler Ebene entsprechen die Fragen, die im Dialog zwischen Maler an Modell entstehen und dann im stillen Zwiegespräch zwischen Betrachter und Portrait. Ins Zentrum dieser Befragung geraten in der Malerei Alexander von Schlieffens immer wieder die Kinder. Ausgelöst durch eine schon sehr früh einsetzende Vorliebe des Künstlers für das Zeichnen und Malen von Portraits, erweiterte sich das Spektrum des Künstlers über die Jahre auch auf Familienbildnisse. Zum klassischen Portrait hat sich indes längst noch ein anderes Interesse gesellt. Denn was Alexander von Schlieffen in seinen Kinderbildnissen sucht, geht über eine naturgetreue Wiedergabe des Modells noch hinaus. Auch wenn dem Portraitmaler die Wiedererkennbarkeit nach wie vor ein Anliegen ist. Auslöser für die zahlreichen Bildnisse von Kindern ist vor allem die Offenheit, die der Künstler und Vater zweier Söhne in der Begegnung mit ihnen erlebt. Die Bereitschaft der Kinder für alles, was da noch kommt und möglich ist, inspiriert ihn. In jedem seiner Bilder steht sie ihnen ins Gesicht geschrieben. Es ist eine Offenheit, die gleichzeitig auch verletzlich macht. Die Wahrnehmung der einzigartigen Persönlichkeit eines Kindes formt sich im Maler zum inneren Bild. Nachdem er es auf die Leinwand gebracht hat, wird es durch die Bespannung mit dem Georgette-Stoff gleichzeitig umhüllt und verschleiert. Die transparente Textur zwischen der Malerei und der Welt außerhalb des Bildes legt sich über das Portrait wie eine schützende Haut. Eine Geste, welche die Fragilität des kindlichen Kosmos unterstreicht. Der tiefe Ernst im Blick von Anna in den gleichnamigen Leinwandbildern eröffnet eine zusätzliche Dimension. Die dunklen Augen, die Nahsicht, die Frontalität, der man als Betrachter kaum ausweichen kann – all dies erscheint jene melancholische Schönheit der Mumienportraits aufzunehmen, die man in den Gräbern der griechisch-römischen Antike fand. Etwas von der Zeitlosigkeit dieser antiken Bildniskunst glimmt in Portraits wie dem von Anna auf. In ihrem eindringlichen Blick spricht sich eine Bestimmtheit aus, die keiner schützenden Gebärde bedarf. An das Besondere im Gesichtsausdruck von Kindern tastet sich Alexander von Schlieffen in seiner Malerei behutsam voran. Seine innere Zwiesprache mit dem kindlichen Modell verfestigt sich über Spuren aus Licht und Farbe zu Umriss und Gestalt. Der rötliche Schimmer in vielen seiner Bildnisse erscheint wie ein Echo auf elementare Prozesse, die sich in der menschlichen Entwicklung im Verborgenen vollziehen und somit auch den Betrachter unmittelbar einbinden. Die Anziehungskraft seiner Portraits verdankt sich auch der Wirkung, die sich an der Schnittstelle zwischen schemenhafter Bildaussage und Andeutung und der eindeutigen Wiedererkennbarkeit des Modells entfaltet. Einerseits konkret, andererseits frei lassend eröffnet diese Bildniskunst Räume für eine Begegnung mit sich selbst.

(Katalogtext von Almut Andreae 2013)

Alexander Schlieffen: Porträts der etwas anderen Art

"Ganz gegen den Zeitgeist", erklärt Alexander Schlieffen, "interessiert mich bei meinen Porträts nicht der soziale Kontext, sondern das Individuum."  So sucht er sich Menschen, meist Frauen oder Kinder, die einem bestimmten Typ entsprechen, wie das Mädchen Passacaglia, das auf mehreren Bildern auftaucht und an die Vermeerschen Mädchen, wie etwa jenes mit dem Perlenohrring, erinnert. Doch seine Modelle leben alle heute, wurden vom Künstler fotografiert und Ton in Ton mit Acryl auf gefärbte Leinwand gebannt.  Die überzieht er dann mit Georgette.
Alexander Schlieffens Künstlerkarriere startete 1989, mit einer Ausstellung in der Dumont Kunsthalle in Köln. Im Folgejahr erhielt er das begehrte Max-Ernst-Stipendium.  Zur Überraschung vieler Kritiker, denn seine realistische Malweise galt als wenig zeitgemäß.  Heute hat Schlieffen die Porträtmalerei wieder aufgenommen und weiterentwickelt. Durch das Überspannen der Leinwände schafft er Bilder voller Spannung.  Bilder, in die man förmlich hinein steigen möchte, so tief scheinen sie bei guter Beleuchtung, dass sie fast dreidimensional wirken. Von der Seite betrachtet, verschwindet diese Tiefe, verschwinden gar die Porträts, wirken die Bilder wie monochrome Flächen in rot, Blau oder Lila. "Magie", nennt Galerist Jens Osterloh diese Bilder.  Magisch sind sie in der Tat – vor allem auf den zweiten und dritten Blick.

(Kirsten Schmidt in der Hamburger Morgenpost vom 3.11.2005)

Eine Lichtinstallation von Alexander von Schlieffen in der Galerie Otto Schweins

Als temporäre arbeit hat der Kölner Künstler Alexander Schlieffen in der Galerie Otto Schweins eine Lichtinstallation installiert. Was den Betrachter erwartet, hat den Charakter einer Erscheinung. Dort, wo normalerweise ein Fenster den Blick auf die Straße hin öffnet, leuchtet aus einem querrechteckigen, gerahmten Glas eine Art synthetischer Fata Morgana:
Die leicht verschwommene Vision von Lichtflecken auf einem Fußboden, eingefasst von grün schimmernden Farbzonen. Die Ungreifbarkeit des zu Sehenden rührt vor allem daher, dass keine eindeutige Bildoberfläche aus zu machen ist.  Aus der Nähe löst sich alles in bloßes Licht auf, das Motiv und seine Substanz fallen ununterscheidbar zusammen.
Nach vergleichbaren Auftragsarbeiten in einer Kapelle und in einer Bank hat Schlieffen in der Galerie Schweins erstmals eine art Selbstreflexion über seine neu entwickelte Lichtinstallation angestellt. Die technische Seite der Arbeit ist weitaus einfacher, als ihre Wirkung vermuten ließe. In einer Verbindung von Hinterglasmalerei und Projektion wird das auf Plexiglas gemalte Motiv vom Tageslicht auf eine vor gelagerte milchig diffuse Scheibe projiziert. Eine trickreiche Konstruktion, die vom einfallenden Licht, nicht aber vom Auge des Betrachters durchdrungen werden kann.
Mit dem Medium des Tafelbildes arbeitete Schlieffen bereits früher an der Transformation von Bildern in Erscheinungen. Das ausgestellte kleinformatige Portrait einer sitzenden Frau wird durch das scheinbar einfache Mittel einer Bespannung mit Stoff in die Irrealität eines bläulich schimmernden Phantombildes entrückt.

(Thomas v. Taschitzky, Kölner Stadtanzeiger, Juni 1998)

Vom schwarzen Humor zur lichten Idylle

Galerie Rothe zeigt Bilder des Malers Alexander Schlieffen, der in Düsseldorf Schüler bei Gerhard Richter und AR. Penck war. Seine Arbeiten bewegen sich im Grenzbereich zwischen Malerei und Fotografie. Auf Fotobasis hat er Figuren und Interieurs jeweils monochrom mit Acrylfarben auf Leinwand oder Holz gebracht und anschließend die Tableaus mit feinem Georgette überzogen. Schlieffens Arbeiten scheinen zu schweben. Farbe wird immateriell wie das Licht, aus dem sie lebt.

(Christa von Helmolt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, November 1996)

Grenzbereich zwischen Malerei und Fotografie

Was passiert, wenn ein Maler zum Mittel der Fotografie greift? Diese Frage steht im Mittelpunkt der soeben eröffneten Ausstellung im Foto Forum. Alexander Schlieffen zeigt Arbeiten aus dem Grenzbereich von Malerei und Fotografie. Geprägt sind diese Arbeiten von der intensiven Auseinandersetzung mit Raum und Licht sowie dem Ringen um Transparenz.
Das Foto Forum St.Gallen hat es sich zum Ziel gesetzt, Arbeiten von Fotografen zu zeigen, die auf hohem Niveau arbeiten, aber den Durchbruch noch nicht geschafft haben. Die 3. Ausstellung ist dem 31jährigen Alexander Schlieffen aus Düsseldorf gewidmet. Sein eigentliches künstlerisches Betätigungsfeld ist die Malerei; und so erstaunt es keineswegs, dass auch seine fotografischen Arbeiten vom Anspruch des Malers getragen werden.
Als Maler, der sein Studium an den Kunstakademien von Wien, Frankfurt und Düsseldorf absolviert hat, widmet sich Schlieffen klassischen Themen. Seine Malerei bewegt sich in einer Spannbreite zwischen Fotorealismus und italienischer Malerei. Kennzeichnend ist vor allem die Auseinandersetzung mit dem Raum. Mit Fragen rund um Transparenz und dem Verhältnis Licht und Schatten. Schweres wird so dargestellt, dass es etwas Leichtes, fast schon Schwebendes bekommt.
In seiner gesamten Arbeit scheint Alexander v. Schlieffen von einem inneren Bild aus zugehen. Die entscheidende Frage ist, wie dieses Bild umgesetzt werden kann. Wenn es für das entsprechende Thema schon ein Bild gibt, dann wird es nicht mehr gemalt, dann greift er zur Kamera oder verwendet ein schon bestehendes Bild, wie es bei der Ausstellung im Foto Forum St.Gallen der Fall ist.
Die ausgestellten Werke zeigen einen architektonischen Raum: einen Innenraum aus dem arabischen Kulturraum. Das Spiel zwischen Licht und Schatten, hell und dunkel kommt wohl nirgendwo so gut zum Ausdruck wie in der arabische Architektur. Dieses Wechselspiel darzustellen, ist ein zentrales Anliegen Schlieffens.
Der dargestellte Raum, das Format, die eigentliche Abbildung sind in allen ausgestellten Werken die gleichen. Was sich unterscheidet, ist in erster Linie die Farbe. Eine kolorierte Fotografie? — Nein, die großflächigen Fotos im Format von 120 auf 120 Zentimeter sind vielmehr mit einem Stoff — jeder in einer anderen Farbe — überzogen. Dieser Georgette-Stoff erzeugt Transparenz.
Es entsteht ein Raumgefühl. Der arabische Innenraum wird dreidimensional erfahren. Raum und Motiv beginnen zu verschmelzen, und die Betrachter zieht es förmlich ins Bild oder eben in diesen Innenraum hinein. Alexander Schlieffens Räu_me haben immer etwas Leichtes, fast schon Schwebendes. Diese Wirkung wird durch den Stoff noch zusätzlich unterstützt. Ganz klar wird spürbar, dass Alexander Schlieffen — auch wenn eine Fotografie verwendet wird — als Maler an diese Arbeit herangeht.
Ebenso deutlich ist sein Ringen um Transparenz und Luzidität spürbar. Ihm gelingt es, schwebende Räume mit stark kontemplativer Ausstrahlung zu schaffen. Mit den ausgestellten Bildern vermittelt Schlieffen den Betrachtern das Gefühl, sie könnten diese ruhigen, schwebenden Räume mental betreten.
„Uns ist es ein Anliegen, den Diskurs rund um die Fotografie anzuregen, vor allem in der Frage, was passiert, wenn ein Maler zum Mittel der Fotografie greift“, erklärt Kunsthistorikerin Marion Landolt vom Foto Forum.

(Meinrad Gschmend, 1995)

Mit Fotografien malen

Das eigentliche künstlerische Betätigungsfeld des 1964 in Düsseldorf geborenen und derzeit in Köln lebenden und arbeitenden Künstlers Alexander Schlieffen ist die Malerei. Das spürt man auch bei seinen fotografischen Arbeiten, die noch bis 16. Juli im Foto Forum St. Gallen zu sehen sind. Auf den ersten Blick lässt sich kaum erkennen, ob es sich bei den ausgestellten Exponaten tatsächlich um Fotografien oder um Gemälde beziehungsweise Siebdrucke handelt. Schlieffen geht immer von einem inneren Bild aus. Ist dieses Bild bereits fotografisch vorhanden, so ist dessen malerische Anfertigung überflüssig. Die bereits materialisierte Idee, die Fotografie, ist dann Ausgangspunkt für die weiteren künstlerischen Aussagen. Im Rahmen der aktuellen Ausstellung in St.Gallen thematisiert Schlieffen den architektonischen Innenraum eines arabischen Palastes. Dieser Raum wird in fünf unterschiedlichen Grundfarben präsentiert. Der zentralperspektivische Ausschnitt erinnert stark an Raumperspektiven, wie man sie von Renaissancegemälden her kennt.
Die Fotografien sind mit transparenten Georgettestoffen, also plastikähnlichen Folien verhüllt, welche die dreidimensionale Wirkung des Raumes erheblich verstärken. Je nach Standpunkt des Betrachters verändert sich die dargestellte Raumsituation. In der Frontalansicht erinnern die Arbeiten an die Tiefeneffekte von Hologrammen — der Betrachter scheint förmlich in das Bild hinein gesogen zu werden. Aus ganz steilem Winkel betrachtet, verschwindet das Sujet und die Fotografie löst sich in ein monochromes Gemälde auf. Entscheidend für Schlieffen scheint, dass sich das Motiv ständig im Schwebezustand befindet. So wie man beispielsweise den Filmen von Peter Greenaway den dahinter stehenden Maler anmerkt, so wird auch bei diesen Arbeiten Schlieffens deutlich, dass es sich um fotografische Gemälde handelt.

(Vorarlberger Nachrichten, 1995)

Alexander Schlieffen at Feuerle Gallery

In the no-nonsense art world of Cologne where the word — hand-written, printed, or tele-generated — prevails, naturalistic painting occupies an ambivalent zone, a hot seat encircled alternately by irony or slightly apologetic nostalgia. A modern painter untouched by either is twenty-eight year old Alexander Schlieffen, whose exhibition of seven paintings at Desire Feuerle runs until 14 October.
Schlieffen, whose peripatetic studies included stints at the Kunstakademies of Vienna and Düsseldorf, and who was a master student of A.R.Penck, paints compositions of figures or objects in which the main formal issue is an everchanging, often dislocated relationship between subject and "background". His early work, which sometimes drew upon medieval and Renaissance costume and imagery, featured lone or replica figures against a plain ground, executed with a severity reminiscent of David. His signature subjects a table carefully laid with talismanic objects, portraits of subjects in period dress, and figures (now recognisably present day) standing in enigmatic relationship to one another are set against flat chequerboard backgrounds of piercing primary and secondary colour. The strongest painting in the show reverts to Schlieffen's earlier, plainer style: two pale, draped androgynous figures are poised in a mysterious mid-dive, with no swimming pool in sight.

(The Art Newspaper, Oktober 1992)

Alexander Schlieffen at Feuerle Gallery

These paintings by Alexander Schlieffen are smal in format and painted with enormous attention to precise detail. The themes belong to the classical lexicon of figurative painting – the still life, the nude, portraiture and group portraiture. Yet at second glance, things are not what they seem to be: the motifs of the paintings have been ecxecuted on a transparent ground, and they throw real shadows that compete with the painted shadows in the pictures. The paintings, moreover, are mounted in wide Plexiglas frames that contribute to an uncertainty as to where the pictures establish their actual edges. The pictures can in fact be looked at as objects of which painting is only a part. Till now, painting and picture have usually been conceptually synonymous, but Schlieffen's new pictures consist only partly of painting. The character of this partial painting has still another way of coming across as highly irritating, since it simultaneously plays itself off against two separate affinities: old master painting on the one hand, and photorealism on the other. But both of the references are finally deceiving. The hallmark of the painting of the old masters is their virtuosity, whereas Schlieffen's work is painstaking. The photorealist principles of artists such as Chuck Close or Franz Gertsch — despitetheir differences — are again contradicted by the almost laborious look of Schlieffen's work. Schlieffen's procedures are an equally crass contrast to the hidden handcraftsmanship of the photorealist and to the virtuoso handcraftsmanship of the old masters. Schlieffen's paintings seem charged with skepticism — a skepticism that looks askance at the notion that the painting of beautiful paintings may still today be possible. Schlieffen's paintings show a "macroscopic" elegance, but a closer or microscopic observation reveals a plethora of ruptures that lie hidden behind it.

(Kay Heymer, Flash Art, Oktober 1991)